Warum es so schwer ist, Azubis zu finden
Schulabgänger lesen keine Zeitung und schauen selten in Jobbörsen. Viele wissen kurz vor dem Abschluss noch gar nicht, was sie machen wollen. Und wer an Ausbildung denkt, kennt oft nur die großen Namen aus der Region, nicht den Handwerksbetrieb im Nachbarort.
Dazu kommt: Das Handwerk hat bei vielen Jugendlichen ein veraltetes Bild. Dass ein Anlagenmechaniker heute Wärmepumpen und digitale Regelungen einbaut oder ein Elektroniker PV-Anlagen und Smart-Home-Systeme, wissen viele schlicht nicht. Wer Azubis finden will, muss deshalb zeigen, wie der Beruf wirklich aussieht.
Wo Sie Azubis heute erreichen
Jugendliche verbringen viel Zeit auf Instagram. Mit gezielten Anzeigen erreichen Sie dort junge Menschen in Ihrem Umkreis, genau in dem Alter, in dem die Berufswahl ansteht. Kurze Videos aus dem Betrieb funktionieren besonders gut: ein Tag auf der Baustelle, das erste eigene Projekt, die Kollegen.
Facebook für die Eltern
Bei der Berufswahl reden Eltern oft mit. Viele von ihnen sind auf Facebook unterwegs. Eine Anzeige, die Eltern in Ihrer Region zeigt, dass ihr Kind bei Ihnen eine sichere Ausbildung mit Zukunft bekommt, kann genauso viel bringen wie die Anzeige an die Jugendlichen selbst.
Praktikum und Schulen
Ein Praktikum ist oft der erste Kontakt. Wer Praktikanten gut betreut, hat gute Chancen, dass daraus ein Azubi wird. Bieten Sie Praktikumsplätze aktiv an, in der Anzeige und auf Ihrer Website, und halten Sie Kontakt zu den Schulen in Ihrer Nähe.
Was Azubis von einem Ausbildungsbetrieb erwarten
- Klare Angaben zur Ausbildungsvergütung: Wie bei Gesellen gilt auch hier: konkrete Zahlen statt „gute Vergütung“.
- Eine echte Perspektive: Gibt es eine Übernahme nach der Ausbildung? Ist später der Meister oder eine Weiterbildung möglich?
- Ein gutes Team: Jugendliche wollen wissen, mit wem sie jeden Tag arbeiten. Zeigen Sie Ihre Leute, am besten Ihre aktuellen Azubis.
- Moderne Arbeit: Werkzeug, Technik und digitale Abläufe, die zeigen, dass das Handwerk nicht stehen geblieben ist.
- Extras, die im Alltag helfen: zum Beispiel ein Zuschuss zum Führerschein, ein Tablet für die Berufsschule oder ein Monatsticket. Was Sie bieten können, gehört in die Anzeige.
Der richtige Zeitpunkt
Die meisten Ausbildungen im Handwerk beginnen im Sommer. Viele Jugendliche entscheiden sich aber schon Monate vorher, oft im Herbst und Winter des letzten Schuljahres. Wer erst im Frühjahr anfängt zu suchen, konkurriert mit allen anderen Betrieben um die Letzten, die noch nichts haben. Starten Sie Ihre Azubi-Suche deshalb früh, am besten schon im Herbst.
Die Bewerbung so einfach wie möglich machen
Ein Schulabgänger schreibt nicht gern ein Anschreiben. Viele haben noch nie eine Bewerbung geschrieben. Eine Kurzbewerbung mit ein paar Fragen zum Antippen und einer Telefonnummer senkt die Hürde enorm. Den Rest klären Sie im persönlichen Gespräch oder bei einem Schnuppertag im Betrieb. Wie solche Kampagnen genau funktionieren, lesen Sie auf unserer Seite Social Recruiting im Handwerk.
Die häufigsten Fehler bei der Azubi-Suche
- Zu spät anfangen: Wer erst im Frühjahr sucht, hat oft das Nachsehen.
- Die Anzeige für Gesellen einfach übernehmen: Jugendliche brauchen eine andere Ansprache, kürzer, persönlicher, mit Bildern.
- Nur die Jugendlichen ansprechen: Eltern entscheiden oft mit.
- Lange auf eine Antwort warten lassen: Wer sich meldet und tagelang nichts hört, sagt woanders zu.
- Keine Gesichter zeigen: Eine anonyme Anzeige ohne echte Menschen aus dem Betrieb wirkt austauschbar.
Viele dieser Punkte gelten genauso für Gesellen. Mehr dazu in unserem Artikel zum Fachkräftemangel im Handwerk und auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung im Handwerk. Für SHK-Betriebe haben wir eine eigene Seite: Marketing für SHK-Betriebe. Einen Überblick über alle Kanäle finden Sie unter Online-Marketing für Handwerker.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit der Azubi-Suche anfangen?
Möglichst früh, am besten im Herbst vor dem Ausbildungsstart im Sommer. Viele Jugendliche entscheiden sich Monate vor dem Schulabschluss.
Lohnt sich Werbung auf Instagram für Azubis?
Ja. Schulabgänger sind dort viel unterwegs, und die Anzeigen lassen sich gezielt auf junge Menschen in Ihrem Umkreis ausrichten. Kurze Videos aus dem Betrieb wirken besonders gut.
Sollte ich auch die Eltern ansprechen?
Ja. Eltern reden bei der Berufswahl oft mit. Über Facebook erreichen Sie viele von ihnen in Ihrer Region.
Brauchen Azubis eine schriftliche Bewerbung?
Für den ersten Kontakt nicht. Eine Kurzbewerbung mit Telefonnummer reicht. Zeugnisse und Unterlagen können später im Gespräch oder beim Schnuppertag folgen.